Prison Fellowship Schweiz


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Besuche im Gefängnis

Regensdorf, im Juni 2001
Liebe Frau K.

"Ich war im Gefängnis und Ihr habt mich besucht."

Über ein Jahr besuchen Sie mich regelmässig hier in der sichersten Strafanstalt der Schweiz, genannt Pöschwies in Regensdorf/ZH. Ich möchte Ihnen bei dieser Gelegenheit vielen herzlichen Dank für alles sagen ...

Ich denke gerne zurück, wie ich Sie in unserem Personalrestaurant angesprochen habe... Es ging gar nicht lange und schon bald sassen wir uns im Besuchspavillon zum ersten Gespräch gegenüber. Habe ich Ihnen eigentlich schon mal gesagt, wie sehr ich die tollen Gespräche mit Ihnen schätze? Sie können sich ja gar nicht vorstellen, wie erleichternd es ist, jemanden in schweren Zeiten zu haben, dem man seine Sorgen, Hoffnungen, Wünsche und Ängste offenbaren kann. Ich fühle mich angenommen, geniesse Ihr Vertrauen und das ist ein wirklich gutes Gefühl. Sie sind für mich da, wenn mich etwas schwer belastet und helfen mir weiter, wenn ich nicht mehr weiter weiss. Es hat mir übrigens gut getan, nachdem ich Ihnen von mir und meiner Vergangenheit erzählt habe, wie es zum Beziehungsdelikt gekommen ist, meine Schuld gegenüber dem Opfer und seinen Angehörigen, der Gesellschaft und Gott. Sie haben mich Vergebung und Versöhnung spüren lassen und mir damit ein Kerzenlicht geschenkt.

Ich freue mich wieder auf den Mittwochmorgen, um wieder einmal mehr aus dem langweiligen, farblosen Gefängnisalltag auszubrechen, etwas Neues von Ihnen zu hören und Ihnen auch erzählen zu dürfen. Auch wenn der Gong die Stunde oft viel zu früh beendet, freue ich mich, Sie bald wiedersehen zu dürfen. So im Laufe der Zeit durfte ich nicht nur Sie, sondern auch Ihre Kinder ein wenig näher kennen lernen - ja einmal sogar Ihrem Ehemann persönlich in unserer Anstaltskirche die Hand geben. Ein Moment, den ich nicht so schnell vergessen werde. Sie haben mir so viele schöne, aber auch nachdenkliche Geschichten erzählt - mich damit zum Mitfühlen angeregt - und mir ein wertvolles Stück Realität in die Welt der engen Mauern hereingebracht. So oft haben Sie mir unbürokratisch geholfen, ich kann gar nicht alles auf einer Seite aufzählen. Durch Sie habe ich eine lässige Bibel, die ich zeitweise lese, einen Drucker, mit dem ich meine Schularbeiten ausdrucke, einen herzigen Stoffdelphin, einen ganz lieben Wellensittich und guten Freund, mit dem ich mich nicht mehr alleine fühle, um nur einiges zu erwähnen. Ja, dies alles ist erst durch Sie möglich geworden. Sie haben mich immer unterstützt und mich zum Weitermachen ermuntert, wenn ich den Kopf gesenkt hatte, mir weiter geholfen, wenn ich alleine nicht mehr konnte - und dafür danke ich Ihnen von ganzem Herzen.

Ich bin wirklich sehr froh, dass es Freiwillige wie Sie gibt, die sich so sehr für Mitmenschen engagieren und die Not hinter Gittern ein wenig lindern. Sie wissen, meine Eltern sind gesundheitlich eingeschränkt und können mich nicht oft besuchen. Deshalb stellen Sie für mich eine wichtige Verbindung zwischen der Gefängniswelt und der „Freiheit" her. Sie leisten einen unbezahlbaren Beitrag, als Besucherin, als Urlaubsbegleiterin, als Bewährungshelferin zur Wiedereingliederung von verirrten Menschen.

Zuletzt möchte ich es nicht versäumen, noch allen freiwilligen Betreuern, die Menschen in Gefangenschaft beistehen, reden, zuhören, organisieren, überzeugen und mit anderen gemeinsam etwas bewegen, ganz herzlich für Ihre guten Taten Dank sagen.


Unterschrift B. aus W.








'Ich war im Gefängnis und ihr habt mich besucht.' (Matth. 25,36) | luzia.zuber@swissonline.ch

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