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Bericht von Erich Hotz:
Das Thema Vergebung ist auch in der Anstalt Regensdorf ein Dauerbrenner. Ein Insasse, der seine Frau fast erwürgt hatte, wetterte über sie, sie solle ihm doch einfach mal vergeben. Auch die Christen im Dorf, sollen doch das endlich machen. Ich fragte ihn, ob er denn sich selber für seine schlimme Tat vergeben könne. Da liefen schon die Tränen.
Besuch eines Insassen in der Anstalt in Regendorf. Er hat mir nach dem letzten Besuch seine Lebensgeschichte aufgeschrieben. Wahnsinnig oder soll ich schreiben logisch? Die typische "Karriere": Eltern geschieden, Mutter kam mit den beiden Kindern nicht zurecht. Der Vater spielte die Kinder gegen die Mutter aus. Die ersten kleinen Delikte, Alkoholprobleme, Drogentransport etc. Und warum das alles? Er schrieb: Eigentlich wollte ich doch nur geliebt werden! Warum war niemand da, der mich in den Arm nahm? Ich wünschte mir, dass wir eine vollständige Familie sind, dass sich Vater und Mutter versöhnen... Heute sagte er mir: "Weisst Du, Erich, nun bin ich schon einige Monate in Haft und ich muss dir sagen, mir ist in dieser Zeit einiges bewusst geworden. Ich kam endlich mal zur Ruhe, habe auch wieder angefangen, zu Jesus zu beten. Ich weiss nicht, welches Gerichtsurteil mich anfangs März erwartet. Aber ich weiss, dass Gott mich bewusst aus meinem schlechten Umfeld herausgeholt und hierher gesetzt hat. Ich verstehe die anderen Insassen nicht, die hier drin schon wieder den nächsten Überfall, Betrug etc. planen..."
Bereits zum dritten Mal gingen der Insasse K. und ich für vier Stunden in den "Ausgang". Wir hatten abgemacht, dass wir Badminton spielen gehen. Ich sehe bei meinen Besuchen in den Anstalten meine Aufgabe als "Knastrologe" auch darin, den Männern von Jesus zu berichten und ihnen zu sagen, dass ein Neuanfang auch in der realen Welt möglich ist. Mit Gottes Hilfe, versteht sich.
Nach 9 Jahren und drei Monaten im vollzeitlichen Dienst, wage ich den Schritt ganz hinter die Gefängnismauern. Ich werde ab dem 1.9.2007 als Vollzugsangestellter im Bezirksgefängnis Baden arbeiten.
Bericht von Paul Erni:
In der geschlossenen Strafanstalt "Thorberg" in Krauchthal BE werden jede Woche zwei Gesprächsgruppen durchgeführt. Zusätzlich werden mit den Inhaftierten Einzelgespräche geführt. Einmal im Monat findet ein Gottesdienst statt. Ich selber besuchte in den Einzelgesprächen vierzehntäglich drei Männer. Wir haben eine Gruppe von Mitarbeiterinnen, die in der Frauenstrafanstalt Hindelbank Menschen begleiten. Einzelne Frauen haben über die Bewährungshilfe des Kantons Bern als freiwillige Mitarbeiterinnen die Begleitung von Männern übernommen. Wir begleiten auch einzelne Menschen in verschiedenen Institutionen in diesen Kantonen. Seit November besuche ich monatlich einen Mann als Vorbereitung für Ausgangsbegleitungen mit ihm. Immer wieder treffe ich mich mit Menschen, die an der Gefängnisarbeit interessiert sind. Einen Tag gestaltete ich mit einer Unterrichtsklasse aus der Region Thun. Ein Richter zeigte uns einen Gerichtssaal und erzählte über seine Arbeit. Nach dem Mittagessen orientierte ich sie über meine Erfahrungen und die Tätigkeit von Prison Fellowship.
Feedback von Gefangenen:
"Ich möchte dir herzlich danken für all dein Tun für uns Gefangene. Deine Aufopferungen und Bemühungen sind für uns unbezahlbar wertvoll." Auf einer vielfarbigen Karte stand: "Ich freue mich auf deine Besuche und die Urlaubsbegleitungen im 2008."
Bericht von Tina Keller (PF Mittelland, Lenzburg)
Das einschneidenste Ereignis für uns als Team in diesem vergangenen Jahr war ganz sicher der Weggang von unserem Teamleiter Erich Hotz. Er hatte sich entschieden als Angestellter in den Vollzug zu gehen. Wir entliessen ihn mit einem lachenden und weinenden Auge. Wir alle schätzen ihn ausserordentlich und wünschen ihm in seiner neuen Aufgabe Gottes reichen Segen und, dass er auch in seiner neuen Aufgabe Licht und Salz sein darf. Weitere Ereignisse, die unsere Arbeit in und auch ausserhalb der JVA Lenzburg immer wieder von neuem interessant und spannend machen:
Am 30. Januar hielt Herr Grünig, Stellvertretender Direktor der JVA Lenzburg für uns einen Vortrag über das im Januar 2007 in Kraft tretende neue Strafrecht. Es war ein sehr spannender und aufschlussreicher Vortrag und hat uns Laien einen interessanten Einblick verschafft.
Bis Mitte Jahr hatten wir sehr gut besuchte Gottesdienste mit vielen Gefangenen aus den afrikanischen Ländern. Ganz speziell war die Verbindung zu einem schwarzen Gefangenen. Er predigte oft in unseren Gottesdiensten. Auch war er derjenige, der viele Gefangene für die Gottesdienste mobilisierte. Am 31. Mai wurde er aus der Haft entlassen und des Landes verwiesen. Seit diesem Zeitpunkt hat die Anzahl der Schwarzen, die an den Gottesdiensten teilnehmen abgenommen.
Bei den Einzelbesuchen hat man die Möglichkeit mehr von den Gefangenen zu erfahren und von den Lebensumständen in denen sie aufwuchsen. Hat es doch meistens einen Zusammenhang mit ihren Straftaten. Die Ungewissheit macht vielen von ihnen zu schaffen, z.B. wenn das endgültige Strafmass noch nicht ausgesprochen ist oder wenn bei ausländischen Insassen eine Ausschaffung ansteht.
Internationale Projekte:
Folgende Projekte wurden realisiert oder vorbereitet:
12.-14.01.2007 - Kenya: Treffen mit dem Präsidentenberater aus dem Sudan. Planung von Ethik-Seminaren im Sudan.
25.01.-07.02.2007 Washington / New York: Das Nationale Gebetsfrühstück in Washington mit ca. 4'000 Teilnehmer aus 145 Ländern. Treffen und Besprechungen mit verschiedenen Politikern aus Afrika, Asien und Osten betreffs Ethik-Seminare, Menschenrechte, friedensfördernde Massnahmen etc. in diesen Ländern.
23.02.-07.03.2007 Sudan / Khartum: Audienz bei diversen Ministern und dem Parlamentspräsidenten. Vorbereitung von Audienz beim Präsidenten. Es wurden verschiedene friedensfördernde Projekte besprochen.
09.-13.03.2007 - Vologda (Russland): Besprechung mit Richtern und Juristen in Vologda und Planung der Ethik Seminare (DEZA Projekt).
11.-24.04.2007 Liberia: Logistik und Verteilung von drei vom DEZA gesponserten Containern (Armeematerial: Betten, Matratzen, Kleider, Medizinischer Bedarf) in den verschiedenen Gefängnissen des Landes. Treffen mit Mitarbeitern von Prison Fellowship Liberia zwecks weiterer Entwicklung ihrer Arbeit. Treffen mit Justizministerin, Vizepräsident, DEZA Mitarbeitern, Gefängnisadministration zwecks Ausbildung des Gefängnispersonals und Besprechung von Projekten, die zu menschlicheren Haftbedingungen für die Häftlinge beitragen sollen.
16.05.-21.05 London: Teilnahme an der Advocate Europe Conference in London. Es wurden Kontakte zu den Richtern geknüpft, die Seminare in Russland und in anderen Ländern unter den Juristen und Richtern durchführen könnten.
12.07.-25.08.2007 Dubai / Khartum: Planungs- und Gründungstreffen von Verein 'Helping Hands' in Dubai, der unter anderem ausländischen Gefangenen helfen soll, die Finanzierung für ihre Ausreise zu ermöglichen, ohne die sie sonst länger im Gefängnis bleiben müssten.
20.09.-01.10.2007 Nairobi - Kongo - Bujumbura. Teilnahme an der Pan Afrikanischen Polizei Konferenz in Burundi. Treffen mit Landwirtschaftsminister zwecks Selbst-Ernährungs-Projekten für die Gefangenen.
28.10.-05.11.2007 Moskau - Fryasevo: Durchführung von Ethik-Seminaren für alle Direktoren der Jugendgefängnisse des Landes. Treffen mit den Botschaftern Angehörigen und DEZA Mitarbeitern in Moskau zwecks Besprechung weitere Seminare in Russland.