Prison Fellowship Schweiz


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Jahresbericht 08

Vorstandstätigkeit

Im Jahr 2008 haben wir monatliche Sitzungen abgehalten. Es wurden vier Infoprison und zwei Gebetsbriefe verschickt. Ausserdem wurde beschlossen neu einen Freundesbrief von Paul Erni zu versenden. Damit haben wir dann im Sommer begonnen und die ersten beiden Freundesbriefe verschickt. Viele Anfragen von Leuten wurden beantwortet und Treffen fanden statt. Unsere Homepage wurde vollständig überarbeitet. Ein wichtiges Projekt war unsere zweitägige Retraite im Mai. Per 1. Juni 08 trat Jean-Luc Rioult als Präsident zurück. Luzia Zuber wurde zur neuen Präsidentin gewählt.


Bericht von Prison Fellowship Mittelland (Paul Erni)
Kanton Bern

Der Start ins Jahre 2008 in der geschlossenen Strafanstalt „Thorberg“ in Krauchthal BE war für unser Team schwierig, da plötzlich bei beiden Gesprächsgruppen keine Besucher mehr kamen. Wir mussten bis im Frühling warten, bis wir mit der einen Gesprächgruppe wieder starten konnten, mit der zweiten starteten wir erst wieder im Februar 2009. Seit dem Neustart der Gesprächsgruppe haben wir stabile, motivierte Gruppen. An der Retraite spürten wir das Interesse von Anny von Almen im Thorbergteam mitzumachen. Das ganze Team war begeistert beim Gedanken, dass eine Frau mitmachen würde. Ich empfand es daher als Riesengeschenk, dass das Gesuch von der Direktion des Thorberg bewilligt wurde und Anny einsteigen durfte und wir können es uns gar nicht mehr vorstellen, Anny nicht im Team zu haben. Sie bereichert die Gesprächsgruppen mit ihrer feinfühligen Art und ihrer Lebens- und Berufserfahrung und ich geniesse persönlich den Austausch mit ihr sowohl vor als auch nach den Abenden. Die Zahl der Teilnehmer in den Einzelgesprächen hat zugenommen, so dass ich normalerweise wöchentlich, seit dem vierten Quartal ab und zu sogar zweimal wöchentlich Einzelbesuche mache. Daneben besucht Fritz Gerber verschiedene Afrikaner. Eine Herausforderung sind in den letzten Monaten die Gottesdienste. Es gibt Nachmittage mit einer interessierten Zuhörerschar, dazwischen gibt es jedoch auch Anlässe, wo einzelne Teilnehmer wegen des Austausches untereinander teilnehmen und nicht um etwas von Gott zu hören. In dieser Situation einerseits konsequent und andererseits sensibel zu führen, ist nicht immer einfach. Ende November erreichte uns die Nachricht der schweren Erkrankung des katholischen Seelsorgers, Herr Josef Kaufmann. Das brachte unsere ganze Weihnachtsplanung durcheinander. Ich war dankbar, dass der reformierte Seelsorger, Herr Andreas Pauli, statt sich im letzten Monat seiner Tätigkeit auf dem Thorberg langsam zurückzuziehen, noch Aufgaben übernahm, damit die Weihnachtsanlässe geordnet durchgeführt werden konnten. An der Weihnachtsfeier fand die offizielle „Stabsübergabe“ der reformierten Seelsorge von Andreas Pauli an Frau Maria Fuchs Keller statt. Die grosse Weihnachtsfeier war nebst Inputs der Seelsorger vor allem von Beiträgen der Insassen geprägt, welche für mich unvergesslich bleiben. Ich freue mich mit Vreni zusammen auch immer wieder an der Personalweihnachtsfeier dabei sein zu dürfen und mit Herrn Samuel Winkler von der Heilsarmee die „dritte“ Weihnachfeier auf der Sicherheitsabteilung gestalten zu dürfen.
Das Frauenteam
Wir haben eine Gruppe von Frauen, die in der Frauenstrafanstalt Hindelbank Menschen begleiten. Einzelne Frauen haben über die Bewährungshilfe des Kantons Bern als freiwillige Mitarbeiterinnen auch eine Begleitung von Männer übernommen. Neben der Retraite fanden 2008 aus verschiedenen Gründen keine gemeinsamen Thorberg- und Hindelbankteamtreffen mehr statt. 2009 wollen wir diese Austauschabende wieder aktivieren.

Andere Vollzugsinstitutionen in den Kantonen Bern und Solothurn
In einer Institution im Kanton Solothurn mache ich Urlaubsbegleitungen und bereits kam eine Anfrage für Besuche bei einem zweiten Mann. In St. Johannsen besuche ich ebenfalls einen Insassen. Lebenserfahrungen erzählen, wird das sehr geschätzt, weil die Insassen sich so ernst genommen und mit uns dann eher gleichwertig fühlen. Neben den Gottesdiensten führen wir während der Woche auch Einzelgespräche mit den Gefangenen. Entweder fragen uns die Gefangenen an den Gottesdiensten nach Besuch oder der Sozialdienst vermittelt uns die Besuche. In den Gesprächen stellen wir immer wieder fest, wie wichtig unser Dienst an den Gefangenen ist. Wir vermitteln ein Stück Menschlichkeit und Annahme, was sie sonst in ihrer Zeit hinter Gittern doch sehr entbehren müssen. Besonders freut uns natürlich, wenn Gefangene den Weg zu Jesus finden und eine klare Entscheidung treffen. Im September 2008 besuchten uns die Gefängnis-Seelsorger der beiden Landeskirchen an einem unserer monatlichen Teamtreffen. Es war ein rundum erfreulicher Abend, wir verstanden uns auf Anhieb und durften zusammen austauschen, diskutieren und lachen. Freikirchler und Landeskirchler im Einsatz für die Gefangenen - nicht als Konkurrenz sondern gemeinsam als Arbeiter im Leib Christi - es war toll.

Sonstiges

Im Mai gestalteten drei aus unserem Team in der FEG in Wil einen Gottesdienst und stellten in diesem Rahmen unsere Arbeit vor. Ein weiteres bereicherndes Highlight war die Retraite 2008. In einem spannenden Team-Entwicklungsprozess haben wir Punkte erarbeitet, die wir nun gemeinsam umzusetzen begonnen haben. Wir haben ein Leitbild entwickelt und sind jetzt dran, ein Schulungskonzept für an der Gefängnisarbeit interessierte Personen zu entwickeln. Es ist wichtig, die Grundlagen für diesen Dienst klar zu kommunizieren und falsche Vorstellungen und Idealisierungen zu verhindern.

Schlussgedanke – Matthäus 25, 36 u. 40

‚Ich bin gefangen gewesen und ihr seid zu mir gekommen.‘
‚Wahrlich ich sage euch: was ihr einem dieser meiner geringsten Brüder getan habt, dass habt ihr mir getan.‘ Die Liebe Jesu zu den Minderheiten, den Geächteten soll unsere Motivation und unser Vorbild für unsere Arbeit sein um Glaube, Liebe und Hoffnung zu den Hoffnungslosen hinter die Gefängnismauern zu bringen.

Gefängniseinsatz in EPO (La Colonie, Bochuz) in Orbe
Regelmässig besucht Dominique Alexandre mit seiner Gruppe das Gefängnis in Orbe und unterstützt die Gefängnisseelsorger bei der Durchführung des Gottesdienstes.

Bericht Retraite 16.-18.5.2008 (Fred Grob)
Am Freitagabend trafen sich die Aargauer und Berner Knastrologen zu einer gemeinsamen Retraite in der Probstei Wislikofen. Retraite bedeutet im Französischen: Pensionierung oder auch Rückzug. Nach dem Zimmerbezug trafen wir uns das erste Mal in einem Saal und hörten alle gespannt zu, was uns erwarten sollte. Doch dies tönte dann allerdings gar nicht nach Pensionierung, obwohl wir einige pensionsnahe alte Knasthasen dabei hatten. Nach der Begrüssung durch den Präsidenten, ging es gleich an die erste Konfrontation mit Ziel und Zweck des Workshops. Hannes Hinnen von der AG für Organisationsentwicklungen „Frischer Wind“ erklärte uns, womit wir uns in der nächsten Zeit beschäftigen würden. Nämlich mit dem Thema: Team-Entwicklungsprozess. Unterstützen durfte ich die einzelnen Arbeitsblöcke mit meinen Cartoons, was für mich schon eine besondere Herausforderung war, da ich dies das erste Mal in dieser Form machte. Obwohl ich mich eigentlich nicht rühmen möchte, denke ich, es ist mir nicht schlecht gelungen. Das haben andere gesagt. Smile... An dieser Stelle sei der Gebetsgruppe „Rogate“ herzlich gedankt, dass sie Übernachtung und Essen für uns beglichen hat. Auch die restliche Zeit während des Workshops ging wie im Flug vorbei, hat es Hannes Hinnen doch sehr gut verstanden uns in immer wieder wechselnden Arbeitsgruppen zusammenzuführen und uns zu animieren letztlich an uns allen zu arbeiten. Zum Beispiel erhielten wir für einmal die Möglichkeit zu sagen, was uns bei PFS Mühe macht oder was wir uns wünschen. Hannes hat uns ohne, dass es uns bewusst wurde, ausgepresst wie eine Zitrone, so dass etliche Ideen, Projekte und Zukunftspläne mehr und mehr auf vielen Blättern an der Wand besichtigt werden konnten. Wir haben zusammen gearbeitet, geschwitzt, gelacht und vielleicht auch ein bisschen gelitten. Denn manchmal waren die Pausen kurz, so dass vor allem die älteren Jahrgänge ihren gewohnten Mittagsschlaf kaum in den Teams abhalten konnten. Bleibt zu hoffen, dass die vielen Projekte und Ideen in den nächsten Jahren teilweise Hände und Füsse kriegen. Ich denke, es war für uns alle eine qualitativ hochstehende Zeit, in welcher wir wieder neu gelernt haben, wie wichtig gelebte Beziehungen sind.

Internationale Projekte:
Durch Zusammenarbeit und Mitfinanzierung der CPV und der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit DEZA konnten drei Ethik- und Antikorruptionsseminare in Russland durchgeführt werden. Die Kurse fanden in einem Erholungszentrum des Justizministeriums in der Nähe von Moskau statt. Die erste Gruppe bestand aus leitenden Mitarbeitern von Prison Fellowship, Chefs der Gefängnisadministratoren, Strafvollzugsverantwortlichen, Seelsorgern, Direktoren etc. aus dem ehemaligen Gebiet der Sowjetunion. Auch die Teilnehmer der zweiten Gruppe kamen aus diesen Gebieten. Es waren vor allem Juristen, Richter, Antikorruptionskommissäre, welche sich für die Menschenrechte, Gerechtigkeit, Glaubensfreiheit, Rechtsprechung etc. einsetzen. Vom Baltikum, Weissrussland, Balkan über Zentralasien, bis Kasachstan waren viele unterschiedliche Nationen und Kulturen vertreten. Viele dieser Länder leiden unter Diktatur, Korruption und Misswirtschaft. Deshalb waren die Teilnehmer dankbar für diesen fundierten Unterricht. Schon vor den Kursen traf der Fax eines Justizministers ein, welcher sich bedankte, dass einer seiner Departementsdirektoren eingeladen worden war. Weil die Regierung jenes Landes extrem korrupt ist, war man dankbar, dass dieser Direktor, wie auch alle anderen Teilnehmer sehr positiv auf das Seminar reagierten. Von etwa 12 Ländern wurde der Wunsch geäussert, dass weitere solche Seminare für verschiedene Zielgruppen durchgeführt werden sollten: u.a. Justiz, Strafvollzug, Richter, Korruptionskommissionen, Polizeiführung, Politiker etc. Das 3. Seminar richtete sich an Persönlichkeiten, welche sich im Namen des Präsidenten von Russland für Verbesserungen im Strafvollzug einsetzen. Darunter waren Wissenschaftler, Uniformierte, berühmte Künstler und Geschäftsleute. Einmal mehr hat sich die Zusammenarbeit mit der CPV und der DEZA bewährt und wir hoffen und beten, dass es Lösungen gibt, welche weitere Seminare ermöglichen.

Herzlichen Dank!
Zum Abschluss möchten wir allen herzlich danken, die in irgendeiner Weise unsere Arbeit mitgetragen haben. Unzählige Besuche haben stattgefunden. Menschen wurden betreut, Beziehungen geknüpft.
Vielen Dank auch für alle Unterstützung durch Gebet, durch finanzielle Mittel und durch persönlichen Einsatz. Dadurch helfen Sie, liebe Freunde und Mitglieder, mit, dass der Auftrag von PFS erfüllt werden kann. Herzlichen Dank!

Basel, im April 2009
Für den Vorstand:

Lic iur. Luzia Zuber
(Präsidentin PFS)



'Ich war im Gefängnis und ihr habt mich besucht.' (Matth. 25,36) | alzuber@balcab.ch

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