Prison Fellowship Schweiz


Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü


Jahresbericht 09

Vorstandstätigkeit

Im Jahr 2009 haben wir monatliche Sitzungen abgehalten. Es wurden drei Infoprison und drei Gebetsbriefe verschickt. Ausserdem wurde regelmässig der Freundesbrief von Paul Erni verschickt. Viele Anfragen von Leuten wurden beantwortet und Treffen fanden statt. Unsere Homepage wurde regelmässig aktualisiert. Ein Höhepunkt des Jahres war sicherlich der 13. Juni. An diesem Tag fand auf Schloss Beuggen, D-Rheinfelden, unsere Fachtagung zum Thema ‚Der erfolgreiche Besuch im Gefängnis‘ statt mit Bruno Graber, Sozialpädagoge, stellvertretender Chef Sicherheitsdienst in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Lenzburg. Es war sehr spannend den Erläuterungen des Referenten zuzuhören. Sein Fachwissen und seine langjährige Erfahrung ermöglichten es ihm, den Teilnehmern hochstehendes und gleichzeitig praxisrelevantes Wissen zu vermitteln.

Bericht von Prison Fellowship Mittelland (Paul Erni)

Kanton Bern
In der Strafanstalt Thorberg in Krauchthal konnten die Gesprächsgruppen im Haus A mit wenigen Ausnahmen regelmässig und mit einer meist kleinen, aber stabilen und interessierten Teilnehmerzahl durchgeführt werden. Im Haus B finden seit einem Übertritt eines Insassen ins Haus A keine Gruppen mehr statt. Einzelgespräche führen Anny von Almen, Fritz Gerber und ich mit verschiedenen Insassen durch. Je nach Bedürfnis finden diese Besuche wöchentlich, vierzehntäglich oder monatlich statt. Eine Herausforderung blieben die Gottesdienste: Nachmittage mit einer interessierten Zuhörerschar wechselten sich ab mit Anlässen, an welchen einzelne Teilnehmer nur wegen des Austausches untereinander und nicht um etwas von Gott zu hören gekommen waren. Mit verschiedenen Mitteln versuchten wir eine positive Entwicklung einzuleiten.
Die schwere Erkrankung und der Tod des des katholischen Seelsorgers, Herr Josef Kaufmann, beschäftigte verschiedene Insassen intensiv.
Im Frühjahr fand ein Konzert des Gefangenenchores statt zu welchem Vreni und ich eingeladen wurden. Dieser Anlass war sehr eindrücklich. Intensiv war wie jedes Jahr die Weihnachtszeit mit den verschiedenen Feiern.

Das Frauenteam
Wir haben eine Gruppe von Frauen, die in der Frauenstrafanstalt Hindelbank Menschen begleiten. Einzelne Frauen haben über die Bewährungshilfe des Kantons Bern als freiwillige Mitarbeiterinnen auch eine Begleitung von Männer übernommen.

Andere Vollzugsinstitutionen in den Kantonen Bern und Solothurn
In einer Institution im Kanton Solothurn besuche ich einen Mann und mit einem zweiten machte ich Urlaubsbegleitungen bis zu seinem Umzug in den Heimatkanton. Ich habe ihn vor Ende Jahr dort besucht und halte den Kontakt aufrecht. Ein Mann, der einige Jahre in St. Johannsen inhaftiert war, ist neu in einer therapeutischen Wohngemeinschaft, wo ich ihn weiter besuche.

Schlussgedanke
Ich kann nur immer wieder staunen über das treue und tolle Engagement der Menschen im Thorberg- und Hindelbankteam, aber auch im Lenzburgteam und im Vorstand von Prison Fellowship Schweiz. Es begeistert mich, dass Gott mir so viele Menschen zur Seite gestellt hat, die mich bereichern und motivieren. Aber es geht nicht um mich, diese Menschen tun eine der wertvollsten Aufgaben im Reiche Gottes: Menschen im Strafvollzug zu dienen.

Bericht Prison Fellowship Mittelland, Lenzburg (Tina Keller)
JVA Lenzburg
Die sechs Gottesdienste, welche wir als Team in diesem Jahr in der Justizvollzugsanstalt Lenzburg abhalten konnten, erfüllen uns mit grosser Dankbarkeit und Freude. Die Gottesdienste werden jeweils von zwischen 25 - 30 Insassen besucht und sie nehmen aktiv daran teil, sei es beim Lobpreis oder aber auch beim Zuhören, wenn gepredigt wird. Es ist für uns als Team eine Ermutigung und Freude, wenn man sieht, dass die Botschaft interessiert aufgenommen wird. Was die Insassen damit danach machen, ist eine andere Sache. Wir sind jedoch dazu berufen zu säen und zu begiessen. Wer eines Tages ernten wird, ist uns unbekannt. Aber das Wort Gottes sagt uns, dass keines dieser Worte leer zurückkommt und darum glauben wir daran, dass unsere Arbeit ihre Früchte tragen wird, auch wenn sie für uns zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sichtbar sind.
Einen sehr grossen Anteil in den Gottesdiensten machen die Insassen aus Afrika aus. Sie sind oft bereits sehr bibelkundig, da sie in ihrem Heimatland eine recht enge Beziehung zur Kirche haben. Oft sind es gerade solche Menschen, welche ein Einsehen haben, dass sie falsch gehandelt haben und sich eigentlich nie hätten vorstellen können, jemals kriminell zu werden und im Gefängnis zu landen. Lebensumstände, Existenzängste und vieles mehr haben sie dann jedoch in eine andere Richtung geführt.
Fred Grob, Willy Tanner, Paul Kalijian, Robert Baumgartner und Tina Keller besuchen in regelmässigen Abständen eine beträchtliche Anzahl Insassen auch zu Einzelgesprächen. Je nach zur Verfügung stehender Kapazität seitens von uns, besuchen wir einen bis mehrere Gefangene wöchentlich und können mit ihnen bis zu zwei Stunden Zeit verbringen. Die Gesprächsthemen sind vielfältig. Von Klagen bis Lob über den Aufenthalt in der JVA und dem Verhalten der Vollzugsangestellten gegenüber den Insassen bis hin zu tiefen seelsorgerlichen Gesprächen sowie Gesprächen über den Glauben und Gebete ist alles zu finden.
In der JVA Lenzburg haben wir die Erlaubnis, eine Bibel mit in den Besuchsraum zu nehmen, was oft sehr hilft auf Glaubensfragen von Insassen Antwort geben zu können und sei es auch dadurch, dass wir gleich selber nachlesen können. Oft wird auch gewünscht, dass wir Psalmen und andere ermutigende und auferbauende Geschichten vorlesen. Einige Insassen können auch weder lesen noch schreiben und diese schätzen es sehr, wenn ihnen vorgelesen wird. Das Wort Gottes verfehlt seine Wirkung nie.
Jeweils im November findet der alljährliche Bazar in der Anstalt statt. Es ist für uns zu einer wertvollen Tradition geworden, daran teilzunehmen und bei geselligem Zusammensein all die Arbeiten, welche die Insassen herstellen, und die Produkte aus Landwirtschaft und Küche, zu bestaunen und zu geniessen. Ein Teil der Mehrzweckhalle wird in ein Restaurant verwandelt und wir dürfen Kaffee und Kuchen oder auch Wienerli und ‚Härdöpfelsalat’ geniessen und auch ein Gläschen Wein vom hauseigenen Weinberg. Speziell ist auch, dass wir von den Angestellten der JVA bedient werden. Die Insassen sind während dieser Zeit natürlich „unter Verschluss“ und kommen nicht mit den Besuchern in Kontakt.

Gebetsteam
Während wir als Gruppe von 12 Personen zu einem Gottesdienst in die JVA gehen, betet unser Gebetsteam für uns, für die Insassen und Angestellten. Dies ist für uns eine ganz enorm wichtige Stütze. Ohne Gebet ist unsere Verbindung zu Gott nicht halb so stark. Wir sind dankbar für unsere Gebetstruppe und ich möchte hier Elsbeth Meier, Christine von Siebenthal, Gabriela Buschor und Marianne Grob ein herzliches Dankeschön aussprechen; ihr seid ein Segen für uns!

Besuche in anderen Gefängnissen
Neben der JVA Lenzburg besuchen einige aus unserer Gruppe auch Insassen in den Strafanstalten Pöschwies, Schöngrün, Ringwil sowie im Bezirksgefängnis Baden und im Ausschaffungsgefängnis Basel-Stadt.

Schlussgedanke
‚Und wenn jemand meine Worte hört und nicht glaubt, so richte ich ihn nicht; denn ich bin nicht gekommen, um die Welt zu richten, sondern damit ich die Welt rette.’
‚Wer mich verwirft und meine Worte nicht annimmt, der hat schon seinen Richter: Das Wort, das ich geredet habe, das wird ihn richten am letzten Tag.’ Joh. 12,47-48. Lasst uns gemäss dem Auftrag von Jesus das Wort Gottes in alle Welt verkündigen und die Gefängnisse sind voll von aller Welt, damit Menschen gerettet werden und lassen wir uns nicht aufhalten am einzelnen Menschen, der im Moment vielleicht nicht so glaubt und handelt wie wir uns das wünschen würden.

Bericht aus der Westschweiz, Lausanne (Dominique Alexandre)
Seit 2007 ist es das Ziel unserer Gruppe, die Gefängnisseelsorger in Orbe (la Colonie) bei ihren Gottesdiensten, welche alle zwei Monate stattfinden zu unterstützen. Im Mai und Juni nahmen wir an diesen Veranstaltungen teil. Obwohl diese zwei Gottesdienste sehr tief gingen, gibt es doch Gründe dafür, dass es nicht mehr wurden: Die Anzahl der freiwilligen Mitarbeiter hat sich von 8 auf 6 reduziert. Die Anzahl der Teilnehmer an den Gottesdiensten reduzierte sich von durchschnittlich 10 auf 4-5 Personen. Der neue Gefängnisseelsorger nahm unsere Hilfe weniger stark in Anspruch. Im Gefängnis von Lonay wurde eine neue Besuchergruppe gestartet. Dies ist eine anspruchsvolle aber auch sehr befriedigende Aufgabe.
Anlässlich eines Treffens mit der katholischen Gefängnisseelsorgerin Mrs. Durussel (Lonay) sagte sie, dass eines der grössten Bedürfnisse in ihrem Gefängnis darin läge, dass Insassen besucht würden, welche normalerweise keinerlei Besuch erhalten würden. Aus diesem Grund habe ich angefangen, solche Gefangene zu besuchen - in der Regel handelt es sich dabei um Ausländer, deren Familien nicht in der Schweiz wohnen.
Das Gefängnis in Lonay in der Nähe von Morges heist ‘La Tuilière’. Es ist ein Untersuchungsgefängnis für Männer und eine Strafanstalt für Frauen. Ich konzentriere mich auf die Besuche bei Männern. Frauen werden von Mitgliedern der Gruppe ‘Salt and Pepper‘ besucht. Die Zusammenarbeit zwischen unseren beiden Gruppen funktioniert gut - Informationen werden ausgetauscht und wir beten füreinander. Die sechs freiwilligen Mitarbeiter, die in Orbe helfen, stehen leider nicht zur Verfügung für diese neue Herausforderung. Deshalb musste ich neue Leute suchen. Bisher habe ich zwei Personen gefunden. Seit Juni 2009 besuche ich alle 14 Tage einen Gefangenen von den holländischen Antillen. Er spricht nur Spanisch und Holländisch, ist 30 Jahre alt und sitzt seit über einem Jahr im Gefängnis. Niemand hat ihn besucht - mit Ausnahme des Vertreters der holländischen Botschaft. Während seines Prozesses habe ich ihn ermutigt und begleitet. Ein freiwilliger Mitarbeiter hat für seine Eltern gesorgt, welche während des Prozesses in die Schweiz gekommen waren. Trotz meiner Anfrage bei sechs bekannten Organisationen liess sich niemand finden, der bereit war, den Eltern zu helfen. Ich habe aus diesen Umständen geschlossen, dass es die Aufgabe von PF Schweiz ist. Der freiwillige Mitarbeiter suchte das billigste Hotel in Lausanne, holte sie am Bahnhof ab, zeigte ihnen den Weg zum Gerichtsgebäude und organisierte die Papiere, welche sie für den Besuch im Gefängnis brauchten. Nach dem Prozess waren sie fassungslos, denn ihr Sohn wurde zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. Wir verbrachten danach viel Zeit zusammen um über das Erlebte zu sprechen.
Seit November 2009 hat sich David* (Name geändert) wirklich verändert. Er lacht wieder, hat Hoffnung gefasst - vorher war er verzweifelt und wollte Selbstmord begehen. Jeden Tag liest er in der Bibel und wird dadurch echt gestärkt. Dies alles hat alleine Gott bewirkt. Vom Gefängnisseelsorger habe ich gehört, dass David so begeistert ist, dass er es anderen Insassen erzählt und sie auffordert, auch solche Besuche bei uns zu beantragen. Ich bin Katholik und der erste Mitarbeiter, der mir hilft, ist ein evangelischer Christ. Dies ist ein Zeichen der Einheit der Christen. Die Arbeit geht uns nicht aus, denn wir haben eine Liste von Gefangenen, welche sich einen Besuch wünschen. Ständig versuche ich neue Mitarbeiter zu finden. Unsere Mitarbeiter sind alle Christen und können die geistlichen Fragen der Insassen beantworten. Durch unsere Kontakte mit den Gefängnisseelsorgern werden die Besuche vereinfacht. Freundschaften können entstehen. Dadurch werden wir dann als persönliche Freunde behandelt, was vieles vereinfacht. Am 20. Februar werde ich an einer wichtigen Konferenz der Gefängnisseelsorger im Kanton Waadt teilnehmen. Lasst uns beten, dass die Saat aufgeht.


Internationale Projekte
Internationale Aktivitäten mit Beteiligung von PFS

Am Nationalen Gebetsfrühstück in Washington konnte bei Politikern das Interesse am Strafvollzug in ihren Herkunftsländern geweckt werden und Kontakt zu PFI und den nationalen PF Organisationen wurden vermittelt.
An der Weltkonferenz für humanitäre Organisationen in Dubai wurde vor allem über Katastrophenhilfe gesprochen. Wir konnten auf die permanente Katastrophe hinweisen, die sich täglich in den Gefängnissen der 2. und 3. Welt ereignet: Katastrophale Zustände - schlimmer als in Flüchtlinslagern, Überbelegung, schlechte oder keine Nahrung und medizinische Versorgung, Ungerechtigkeit: Tausende werden unschuldig und/oder ohne Anklage jahrelang eingesperrt. Gewalt, Vergewaltigung, viele Todesfälle etc. sind an der Tagesordnung.
In Thailand und Arabien konnten wir neue Kontakte zu Gefangenenhilfsorganisationen und Richtern herstellen und Projekte fördern.
Im Kongo unterstützen wir die örtlichen PF Vereine in der Zusammenarbeit mit der Polizei und ausländischen Botschaften.
Bei mehreren Besuchen im Sudan wurden Seminare für Pfarrer und Uniformierte organisiert über Seelsorge bei Polizei und Militär und im Gefängniswesen. Dabei ging es sowohl um die Betreuung von Insassen als auch von Personal und Freiwilligen. Die Seminare konnten im christlichen Süden wie auch im moslemischen Norden durchgeführt werden. Gerade im Sudan bestätigte sich einmal mehr die Wichtigkeit unserer Hilfe von aussen. Als Ausländer haben wir oft bessere Möglichkeiten als Einheimische. So konnten wir z.B. dank unseren internationalen Kontakten zur Polizei die Türen für die PF-Arbeit im Südsudan ohne grosse Probleme öffnen. Es zeigte sich auch, dass wir von PF mit unseren Hilfsangeboten auf freundschaftlicher Basis eher akzeptiert werden als andere Organisationen. So klagte uns der UNO Delegierte für Menschenrechte, dass er die Gefängnisse im Sudan nur von aussen sehen könne. In der Diskussion stellte sich heraus, dass die UNO Missstände in Gefängnissen publik macht, während wir von PF die Missstände sehr wohl registrieren, aber damit nicht in die Medien gehen, sondern versuchen zu helfen. Darum können wir oft in Gefängnissen Gefangene besuchen, wo andere Organisationen draussen bleiben müssen. Ein weiterer Unterschied ist, dass PF versucht ganzheitlich zu helfen: jeder Gefangene hat ein Innen-und ein Aussenleben. Oft ist die innere Verfassung fürs Überleben wichtiger als die äusseren Umstände. Darum hat Jesus gesagt: ‚Der Mensch lebt nicht vom Brot allein sondern von jedem Wort aus dem Munde Gottes.‘ Darum hat Jesus auch gesagt, wir sollen das allen Menschen weitergeben, und zwar besonders den Gefangenen.
Es ist immer wieder eine Freude und Ermutigung für die Gefangenen, ihre Angehörigen, für das Personal, für die Behörden, wenn durch die Aktivitäten von PFS und den nationalen PF-Organisationen, das innere und das äussere Leben im Gefängnis verändert werden kann! Darum vielen Dank an alle die mit Gaben und Gebeten beitragen, dass PFS den vielen Ausländern in Schweizer Gefängnissen und im Ausland helfen kann.

Herzlichen Dank!
Zum Abschluss möchten wir allen herzlich danken, die in irgendeiner Weise unsere Arbeit mitgetragen haben. Unzählige Besuche haben stattgefunden. Menschen wurden betreut, Beziehungen geknüpft, Krisen bewältigt.
Vielen Dank auch für alle Unterstützung durch Gebet, durch finanzielle Mittel und durch persönlichen Einsatz. Dadurch helfen Sie, liebe Freunde und Mitglieder, mit, dass der Auftrag von PFS erfüllt werden kann.
Herzlichen Dank!


Basel, im April 2010


lic. iur. L. Zuber
Präsidentin PFS









'Ich war im Gefängnis und ihr habt mich besucht.' (Matth. 25,36) | luzia.zuber@swissonline.ch

Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü