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Vorstandstätigkeit
Im Jahr 2010 haben wir monatliche Vorstandssitzungen durchgeführt. Es wurden vier Infoprison und drei Freundesbriefe von Paul Erni verschickt. Unsere Zusammenarbeit verläuft positiv und wir freuen uns über die vielfältigen Aktivitäten, die im Laufe des Jahres durchgeführt werden konnten.
Ein Highlight war dieses Jahr der erste Gebetstag, welchen wir am 27. März in Lenzburg durchgeführt haben. Es war sehr bewegend, einen direkten Einblick in die Arbeit von vielen engagierten Leuten zu erhalten darunter Markus Giger (Streetchurch), Bruno Graber (JVA Lenzburg), Felix Ceccato (CPV), Fred Grob (Hope Baden) und Erich Hotz (Bezirksgefängnis Baden). Im August führten wir ein Seminar über Kommunikation durch, das von Werner Ammeter gehalten wurde. Es war ein guter Moment um sich mit unserer Kommunikationsfähigkeit auseinander zu setzen und Neues zu lernen.
Prison Fellowship Mittelland
Kanton Bern
In der Strafanstalt Thorberg in Krauchthal führten Anny von Almen, Fritz Gerber und ich mit verschiedenen Insassen Einzelgespräche durch. Je nach Bedürfnis des Insassen finden diese Besuche wöchentlich, vierzehntägig oder monatlich statt.
Anspruchsvoll war die Situation mit den Gesprächsgruppen. Zeitweise lagen keine Anmeldungen vor, dann kamen Anfragen in beiden Häusern, dann wieder nur in einem Haus und wenige Wochen später gab es durch Verlegungen wieder zu wenig interessierte Insassen. Dieses Auf und Ab fordert heraus. Die Konstanz, die wir lange hatten, ist verloren gegangen. Das Team muss sich immer wieder neu einstellen und flexibel sein. Spannend sind jeweils die Gottesdienste. Nachmittage mit einer interessierten Zuhörerschar wechseln sich ab mit Anlässen, an denen einzelne Teilnehmer lieber nur miteinander austauschen würden. Ich bin dankbar für die Zusammenarbeit mit den beiden reformierten Seelsorgerinnen und Samuel Winkler von der Heilsarmee. Die Akzeptanz bei den schweizerischen Gefängnisseelsorgern ist erfreulich.
Das Frauenteam
Wir haben weiterhin eine Gruppe von Frauen, die in der Frauenstrafanstalt Hindelbank Menschen begleiten. Einzelne Frauen haben über die Bewährungshilfe des Kantons Bern als freiwillige Mitarbeiterinnen auch eine Begleitung von Männern übernommen.
Andere Vollzugsinstitutionen in den Kantonen Bern und Solothurn
In einer Institution im Kanton Solothurn besuche ich einen Mann monatlich. Mit dem Mann, der nach St. Johannsen in eine therapeutische Wohngemeinschaft gezogen ist, halte ich den Kontakt aufrecht.
Öffentlichkeitsarbeit
In der Kirchgemeinde Oensingen konnten wir einen Gottesdienst durchführen und im Lokalblatt den Lebensbericht eines Insassen veröffentlichen. Darüber hinaus gibt es immer wieder Gespräche mit Personen, die an unserer Arbeit interessiert sind. Ich freue mich über die Personen, die wir in irgendeiner Form für eine Mitarbeit in der Gefängnisarbeit gewinnen können. Schwieriger ist es, wenn Mitchristen bezüglich ihres Engagements in Gefängnissen mit unrealistischen Erwartungen an Grenzen stossen.
Schlussgedanken
Wie schon bei den Gesprächsgruppen erwähnt, ist das Auf- und Ab für das Team nicht einfach und ich bin staunend dankbar, wie sie sich jedes Teammitglied dieser Herausforderungen stellt.
Gott hat mir Menschen zur Seite gestellt hat, die mich bereichern und motivieren, dafür kann ich nur danken. Aber es geht nicht um mich. Diese Menschen setzen einen der wertvollsten Aufträge im Reiche Gottes um: Menschen im Strafvollzug zu besuchen.
Paul Erni
PF Lenzburg: Zwei Blicke - Zurück und in die Zukunft.
Mit diesem Bericht wollen wir unseren Freunden Anteil am Leben und Dienst an und mit den Männern hinter den Mauern geben. Allen Teammitgliedern ist diese Aufgabe eine Herzensangelegenheit. Der Auftrag „Die beste Botschaft der Menschheitsgeschichte“ dorthin zu tragen ist uns Pflicht und Freude zugleich. Eine Gebetsgruppe begleitet, unterstützt und kämpft für jeden Einsatz. Daran wollen wir festhalten und immer wieder auch um die Führung durch Gottes Geist bitten.
Wir hatten die Gelegenheit sechs Mal einen frei gestalteten Gottesdienst mit den Strafgefangenen zu feiern. Es ist uns ein grosses Anliegen, sie in ihrer aussergewöhnlichen Extremsituation zu verstehen, sie in dieser Besonderheit ungeachtet ihres Deliktes anzunehmen und ihnen mit Wertschätzung und Respekt zu begegnen. Schliesslich freut es uns für jeden Mann, dem wir auf diese Weise einen Teil der verlorengegangenen Würde zurückgeben und den aufrechten Gang mit einer Ewigkeitsperspektive nach seiner Entlassung in die relative Freiheit zeigen und den Schöpfer und Spender dieser Gabe vertrauenswürdig und lieb machen können.
Dazu dienten uns auch an den sechs Sonntagen Themata wie: I have a dream! (Nach Martin Luther King) – Meine Bestimmung? – Gnade und Gerechtigkeit – Der Heilige Geist – Geburtsfeier Jesu.
Stets versuchen wir den Gefangenen auf Augenhöhe zu begegnen und mit den biblischen Themata auch Rücksicht auf die verschiedenen geistlichen und bildungsmässigen Hintergründe und Lebensgeschichten zu nehmen. Alle sind herzlich eingeladen. Jeder Feiertag war ein besonderes und ermutigendes Ereignis. Welches war der Wichtigste? Wir meinen, jeder hatte seine ausdrückliche Bedeutung. Dennoch war der Tag an dem der Gefangene U. in kurzen und prägnanten, lebendigen und von Liebe zu seinen Mitgefangenen durchdrungenen Worten zu einem Leben unter der Autorität Gottes und geborgen in seiner Liebe predigte, ein ganz berührender und für viele segensreicher. Und all dies unter dem Titel „The Message inside the Mess“ – „Die Botschaft im Schlamassel“, nach Innen und nach Aussen, nota bene!
Im Durchschnitt nahmen 20–30 Männer an unseren Veranstaltungen teil und manche von ihnen wünschten Besuche unter vier Augen. Zur Zeit sind einem Team von fünf Personen diese persönlichen Besuche gestattet. Die Nachfrage ist unverändert stark und so hoffen und erbitten wir, dass dieser Kreis wieder vergrössert werden darf!
Selbst sind wir dankbar, dass immer wieder Gleichgesinnte uns auf die tragenden Säulen unseres Dienstes hinweisen. Eine Retraite „Heiliger Geist“ und ein Vortragsabend „Würde trotz Delikt“ dienten dieser wertvollen und notwendigen Schulung.
Durch die Entwicklung in Politik, Rechtsprechung und Justizvollzug werden freiwillige Dienste tendenziell schwieriger. Werden Sie, liebe Leser, solange die Türen geöffnet bleiben, uns auf diesem Weg weiterhin begleiten? Wir danken Ihnen im Voraus und grüssen Sie mit einem herzlichen „Bhüet Di Gott!“
Robert Baumgartner
PF Westschweiz
Unser Ziel ist es ausländische Gefangene zu besuchen, die sonst keine Besuche erhalten. Weiter ist es unser Anliegen auch ihren Familien je nach Bedarf zu helfen. Wir arbeiten zusammen mit den Gefängnisseelsorgern von Lonay und Orbe. Die Gruppe, welche im Mai 2009 gegründet wurde, hat nun 10 Mitglieder, die hauptsächlich in Lonay Besuche machen. Zudem wird ein Gefangener in Neuchâtel besucht. Im Verlauf des Jahres 2010 wurden zwei Insassen in ihr Heimatland ausgeschafft. Wir haben die Prison Fellowship Organisationen in den Heimatländern informiert, so dass die ehemaligen Gefangenen bei der Integration betreut werden können. Zwei freiwillige Mitarbeiter aus der Reformierten Landeskirche Lonay sind neu zum Team hinzugestossen.
Wie kommen wir mit den Insassen in Kontakt? Es läuft meistens folgendermassen ab: Ein Gefängnisseelsorger erkennt das Bedürfnis nach Besuch bei einem Insassen. Danach informiert er den Leiter der Gruppe über diesen Besuchswunsch. Der Leiter sucht dann einen der freiwilligen Mitarbeiter aus, bespricht mit ihm den Fall und bereitet das erste Treffen vor. Die Insassen sind immer Männer. Unsere Besuchergruppe enthält auch zwei Frauen. Manchmal gibt es Anfragen des Gefängnisseelsorgers auf anderen Gebieten z.B. Wünsche nach christlicher Literatur, Bibeln in unterschiedlichen Sprachen, Bedürfnisse von Familien von Insassen. So kommt es vor, dass Angehörige aus dem Ausland einen Gefangenen besuchen wollen. Sie erhalten vom Gefängnis keinerlei Unterstützung. Es gibt auch keine anderen Organisationen, die sich darum kümmern. Deshalb helfen unsere Freiwilligen bei der Unterbringung und beim Kontakt mit dem Gefängnis. Sie stehen auch bei Problemen mit der Sprache mit Rat und Tat zur Seite. 2010 gab es einen solchen Fall einer Mutter aus Georgien.
2010 hat sich die Gruppe zweimal zu Gebetstreffen getroffen. Es fand ein reger Austausch statt, Fragen wurden besprochen.
Der Insasse L. aus Benin sagte Folgendes als Reaktion auf die Besuche: ‚Seit ich das erste Mal besucht worden bin, bin ich nicht mehr der gleiche Mensch. Es gibt ein Vorher und ein Nachher in meinem Leben! Er hat sich für das Christentum entschieden und sein Verhalten spürbar verändert. Er hat darauf verzichtet an einem Streik teilzunehmen und wünscht sich wöchentliche Gottesdienste. Die Aufseher sind von seinem veränderten Verhalten beeindruckt.
Unsere Ziele für die nächsten zwei Jahre liegen darin, dass wir in zusätzlichen Gefängnissen Besuche machen wollen. Wir streben an, dass unser Programm offiziell anerkannt wird und unsere Gruppe als Organisation wahrgenommen wird und nicht nur als Gruppe von einzelnen Besuchern. Wir wollen unsere Arbeit in neuen Kirchen und Gemeinden vorstellen. Wir haben die Absicht einen Leitfaden herzustellen, der das Thema behandelt wie man bei Gefängnisbesuchen vorgeht. Ausserdem suchen wir weitere freiwillige Mitarbeiter, wenn sich der Bedarf bei Insassen ergibt. Leider haben die Anfragen der Gefängnisseelsorger ein wenig abgenommen, seit zu Beginn des Jahres ein neues kantonales Gesetz bezüglich des Gefängniswesens in Kraft getreten ist.
Das erste Mal haben wir mehr Freiwillige als Anfragen von Insassen. Wir schliessen daraus, dass das Vertrauen der Gefängnisseelsorger in unsere Arbeit aktiv gestärkt werden muss.
Dominique Alexandre
Internationale Projekte
Im Jahr 2010 beteiligten sich Mitglieder von PF Schweiz unter anderem an folgenden Internationalen Projekten:
Januar: Seminare in Khartum und Juba, den Hauptstädten des Nord- und Südsudan für Gefängnisseelsorger, Polizei und Militärpfarrer. Referenten auch aus Kenia und dem Vereinigten Königreich (UK).
Februar: Nationales Gebetsfrühstück in Washington mit Treffen PF International
August: Hilfslieferung mit der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) und dem Verteidigungsdepartement (VBS) für Gefängnisse, Beratung mit Justizministerin und Gefängnisverantwortlichen. Mithilfe beim Schulprojekt für Kinder von Häftlingen.
Herbst: Treffen in Malaysia mit Juristen aus Asien, Gefängnisbesuche in Kambodscha.
November: Seminar im Kongo für hohe Offiziere in Zusammenarbeit mit dem VBS. Projekt Planung mit Prison Fellowship Kongo (PFC).
Dezember: Besprechung mit Interessierten zur Gründung einer Prison Fellowship Arbeit in der Tschechei.
Dezember: Russland Planung von Seminaren für Menschenrechts-Ombudsleuten und Gefängnisinspektoren.
Herzlichen Dank!
Als ich diesen Jahresbericht zusammengestellt habe, war ich bewegt über die vielen wertvollen Begegnungen von denen hier berichtet wird. Es erfüllt mich mit Freude, dass wir alle - jeder an seinem Platz - dazu beitragen können, Menschen Hoffnung zu vermitteln, die oftmals in einer hoffnungslosen Situation sind und Ablehnung und Ausgrenzung erleben. Es ist mir ein grosses Anliegen, dass wir Christen mehr und mehr als Friedensstifter wahrgenommen werden und so die Gesellschaft aktiv zu verändern beginnen. Wer sich um Gefangene kümmert, kann damit einen konkreten Beitrag leisten, um Menschen dabei zu unterstützen mit sich und der Gesellschaft wieder ins Reine zu kommen.
Zum Abschluss möchten ich allen herzlich danken, die in irgendeiner Weise unsere Arbeit mitgetragen haben. Unzählige Besuche haben stattgefunden. Menschen wurden betreut, Beziehungen geknüpft, Krisen bewältigt.
Vielen Dank auch für alle Unterstützung durch Gebet, durch finanzielle Mittel und durch persönlichen Einsatz. Dadurch helfen Sie, liebe Freunde und Mitglieder, mit, dass der Auftrag von PFS erfüllt werden kann.
Herzlichen Dank!
lic. iur. Luzia Zuber
Präsidentin PFS